Wie funktioniert die Rehkitzrettung mit der Drohne?Das Prinzip der Rehkitzrettung per Drohne ist effizient und lässt sich in wenigen Schritten erklären:1. Vorbereitung und PlanungSobald ein Landwirt plant, eine Wiese zu mähen, bietet er das Rettungsteam auf. Erste Ansprechperson ist dabei in der Regel der zuständige Revierjäger. Das Team besteht idealerweise aus dem Drohnenpiloten sowie zwei bis drei Helfern, die das Gelände gut kennen. Die Flugroute wird vorab am Computer oder direkt vor Ort auf dem Tablet mit einem speziellen Editor programmiert. Dabei wird die gesamte Feldfläche digital erfasst, um eine lückenlose Absuche zu gewährleisten.2. Der EinsatzzeitpunktEntscheidend für den Erfolg ist die Uhrzeit: Die Suche findet in den frühen Morgenstunden statt. Sobald die Sonne die Felder zu stark erwärmt, verschwindet der Temperaturunterschied zwischen dem Rehkitz und dem Boden, wodurch die Wärmebildkamera die Tiere nicht mehr zuverlässig erkennen kann.3. Die Suche aus der LuftDie Drohne fliegt die programmierte Strecke automatisiert ab. Damit keine Lücken entstehen, überlappen sich die einzelnen Flugbahnen um etwa 30 %. Während der Pilot sich auf die Flugsicherheit konzentriert, beobachten die Helfer die Live-Bilder auf externen Monitoren, um verdächtige Wärmepunkte zu identifizieren. Die Fluggeschwindigkeit beträgt dabei etwa 15–20 km/h.4. Fund und MarkierungWird ein Wärmepunkt entdeckt, setzt der Pilot an der Steuerung einen POI (Point of Interest). Je nach Strategie wird das Feld entweder erst komplett abgeflogen oder die Fundstelle direkt angesteuert.5. Sicherung des KitzesSobald die Drohne über dem Fundort schwebt, werden die Helfer per Funk eingewiesen. Um das Kitz zu schützen, wird es meist mit einer Kiste (gut markiert mit einem Stab) gesichert. Dies verhindert, dass das Tier flüchtet und sich an einer anderen, ungesicherten Stelle im Feld erneut niederlässt.6. Abschluss der RettungNun kann der Landwirt die Wiese sicher mähen. Unmittelbar nach der Mahd werden die Kitze wieder freigelassen. Sie kehren daraufhin zügig zu ihrer Mutter (der Geiß) zurück, die meist bereits am Waldrand auf ihren Nachwuchs wartet.
Der entscheidende Faktor: Die Kameraauflösung
Die Effizienz und Sicherheit der Rehkitzrettung hängen massgeblich von der Auflösung der Wärmebildkamera ab. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede in der Praxis:
- Niedrige Auflösung (z. B. 160 px): Bei einer geringen Auflösung ist die Detailgenauigkeit schwach. Um Kitze überhaupt identifizieren zu können, darf die Drohne maximal in einer Höhe von 25–30 Metern fliegen. Dies bringt zwei entscheidende Nachteile mit sich: Einerseits ist die Kollisionsgefahr mit Hindernissen wie Bäumen oder Stromleitungen sehr hoch. Andererseits ist die Bildbreite gering, weshalb deutlich mehr Flugbahnen abgeflogen werden müssen, was den Einsatz in die Länge zieht.
- Hohe Auflösung (z. B. 640 px): Mit einer hochauflösenden Kamera verbessert sich die Lage drastisch. Man kann in einer sicheren Höhe von 80–100 Metern fliegen und erhält dennoch ein ebenso klares Wärmebild wie mit einer schwächeren Kamera im Tiefflug. Das Risiko von Kollisionen mit Bäumen oder Masten wird nahezu eliminiert. Zudem deckt die Kamera aus dieser Höhe ein viel breiteres Sichtfeld ab. Dadurch müssen wesentlich weniger Bahnen geflogen werden, was die gesamte Absuche erheblich beschleunigt – ein kritischer Faktor, wenn am Morgen die Zeit gegen die steigenden Temperaturen läuft.
Rehkitz mit der Sichtbildkamera. Man erkennt das Kitz nicht.
Rehkitz Wärmebild. Man erkennt es auch unter dem hohen Gras.